Frauen- und Müttergemeinschaft

Marlies Dittli-Jauch

Es war im Jahre 1883, als 29 mutige Frauen den «Verein christlicher Frauen» gründeten. Die erste Präsidentin hiess Katharina Wipfli-Gisler, Präses war Pfarrer Gedeon Furrer, der den Verein hrend 48 Jahren begleitete. Die kleine Gruppe von damals ist nun inzwischen zur «Frauen- und Müttergemeinschaft» mit rund 520 Mitgliedern herangewachsen. Ziel und Aufgaben des Vereins sind bis heute dieselben geblieben: Pflege der Gemeinschaft, der Solidarit und gegenseitiger Hilfe, Teilnahme am religiösen Leben, ökumenische Zusammenarbeit mit anderen christlichen Glaubensgemeinschaften. Wir sehen es als unsere Aufgabe, Kranke, Betagte und Alleinstehende im Spital, in den Altersheimen und zu Hause zu besuchen und auch Geselligkeit zu pflegen, sei es auf der monatlichen Nachmittagswanderung, dem Vereinsausflug oder bei der Fasnachtsunterhaltung. Die einheitlichen Kommunion-kleider werden von uns gepflegt und verteilt. Am Frühlings- und Herbstmarkt verkaufen wir jeweils Handarbeiten und hren eine Kaffeestube. Der Erlös hievon erlaubt uns immer wieder, irgendwo Hilfe zu leisten. All diese karitative tigkeit ist aber nur möglich dank der grossen, spontanen Unterstützung und Mithilfe seitens unserer Mitglieder.

Ein Blick in die Chronik

Seit jeher war der Verein von einem grossen Helferwillen geprägt. So lesen wir in den wenigen alten Akten und in der Jubiläumsschrift: Bereits 1885 fand die erste Christbaumfeier mit Bescherung der Schuljugend statt. Über ein halbes Jahrhundert wurde an dieserTradition festgehalten. Das nötige Geld wurde bis 1970 von Tür zu Tür gesammelt. Heute noch werden zur Weihnachtszeit Alleinstehende, Betagte und kinderreiche Familien beschenkt. 1931 hat der Mütterverein den katholischen Kindergarten gegründet, bis 1985 im Josefshaus, und auch die Finanzen hiefür aufgebracht. Heute wird nur noch die Weihnachtsbescherung dieser Kinder mitfinanziert.

1932 wurde von Präses Pfarrer Bannwart der erste Vereinsvorstand bestellt und ein Mitgliederbeitrag von einem Franken erhoben. Bis anhin begnügte man sich mit Opferaufnahmen. Von 1937 bis 1972 amtete Pfarrer Thomas Herger als Präses. Rechnung und Protokoll wurden stets durch ihn geführt. hrend des letzten Weltkrieges waren es die Soldaten und Flüchtlinge, die von der Arbeit des Müttervereins profitierten. Die Soldatenhilfe wurde geschaffen.

1943 feierte der Verein sein 60jähriges Bestehen mit bereits 220 Mitgliedern. Es folgte der Anschluss an den Urner Kantonalen Frauenbund. 1947 kam ein Hilferuf aus Österreich. Für die Notleidenden wurden Kleider, Wäsche und Lebensmittel gesammelt. Anlässlich der Renovation der Pfarrkirche wurde unter dem Patronat des Frauen- und Müttervereins ein Bazar durchgeführt. Als bleibendes Geschenk des Vereins darf das Fenster in der Taufkapelle gewertet werden. Auch 1961 wurde am Bazar für die Katholische Jugend- und Volksbibliothek tatkräftig mitgeholfen. 1971 gedachte man der krisengescttelten Bevölkerung von Bengalen und nähte Hunderte von Kleidern für sie. Weiter lesen wir, dass schon vor gut 20 Jahren die Zusammenarbeit zwischen dem katholischen und dem evangelisch-reformierten Verein, im Sinne der Oekumene glänzend funktionierte. Gemeinsam wurden Kurse organisiert und Anlässe durchgeführt.

Im Jahre 1980 wurde der Name «tterverein» in «Frauen- und Müttergemeinschaft» umgewandelt. Seit 1972 ist Pfarrer Bruno Frei Vereinspräses. Am 28. September 1983 durften wir auf 100 Jahre Vereinstätigkeit zurückblicken. Dies wurde auch gebührend gefeiert. Voll Zuversicht und mit vielen guten Vorsätzen, wie sie Schwester Marie Gebharda Arnold in ihrem für unser Vereinsjubiläum geschaffenen Gedicht formulierte, begannen wir das zweite Jahrhundert:

 

«N dr Wägg zum Ziil verlaa

und am Güätä wytterbüü,

ds zwäit Jahrhundert froo afaa,

dankbar und mit Gottvertrüü!»

 

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