Jagdmattschullhaus, 1969 eingeweiht, Renovation 1984; Brunnenplastik, Gedeon Renner * 19.3.1923 Erstfeld, † 13.8.1976 Altdorf
Jagdmattschullhaus, 1969 eingeweiht, Renovation 1984; Brunnenplastik, Gedeon Renner * 19.3.1923 Erstfeld, † 13.8.1976 Altdorf
Lehrerjubiläum 1910- 1960 von Herrn Josef Staub und zum 80-jährigen Jubiläum der Lerhrschwestern von Menzingen
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Aufbau und Entwicklung der Schulen in Erstfeld

 

Es wäre ein Irrtum, anzunehmen, erst das 19. Jahrhundert hätte unserem Kanton und der Gemeinde Erstfeld Schulen gebracht. Es ist geschichtlich nachweisbar, daß alle Gemeinden lange vor dem staatlichen Obligatorium Schulen hatten, manche sogar seit dem 16. und 17. Jahrhundert. Das Jahrzeitbuch von Erstfeld erwähnt 1635 einen Schulmeister. Freilich war der Aufbau der Schule noch bescheiden. Neben der religiösen und sittlichen Unterweisung bestand der Unterricht hauptsächlich im Lesen, Rechnen und Schreiben. In welchen Häusern Schule gehalten wurde, läßt sich vor dem 19. Jahrhundert nicht mehr nachweisen.

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In einem Bericht an die Helvetische Regierung schrieb 1799 Schulmeister Johann Josef Muther, daß Erstfeld damals 58 Schulkinder hatte und daß er in seinem Wohnhause Schule halten mußte. Ein Reorganisator des Schulwesens von Erstfeld wurde Pfarrer Johann Georg Aschwanden (gest. 1829). Auf seine Initiative und zum Teil durch seine Finanzierung wurde das erste öffentliche Schulhaus 1807, das heutige «Jägerheim", an der Kirchenstr. erbaut. Fast 80 Jahre diente es seinem Zwecke. Im Jahre 1884 wurde das Kirchmattschulhaus erstellt mit einer Kostensumme von rund Fr. 55 000.-. Es galt damals landauf landab als Schulpalast. - In den Jahren 1906/1907, als die Schulkinderzahl bereits 280 betrug, wurde das Stegmattschulhaus gebaut, Es kostete Fr. 127000.-. Aber auch dieses genügte bald nicht mehr. Im Jahre 1913/1914 wurde das große Wydheitschulhaus erstellt für Fr. 204 000.---

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Es bietet Raum für zehn große und zwei kleine Schulzimmer. Die Gemeinde hatte noch zur rechten Zeit gebaut. Es war unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg. Besonders zu erwähnen ist noch, daß Erstfeld seit 1876 eine Sekundarschule für Knaben und Mädchen hat. Gegründet wurde sie vom damaligen Pfarrhelfer und Volksdichter Josef Wipfli, der später Professor an der alten Kantonsschule zu Altdorf wurde. Er hatte seine höheren Studien in Monza, Mailand und in Mainz gemacht. Er war der italienischen, französischen und englischen Sprache mächtig. Als erstes Schulzimmer diente das kleine Stübchen in der Pfarrhelferei. Die Schule zählte anfänglich nur sechs Schüler.

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Bis zum Jahre 1931 wurde die Sekundarschule von einem Geistlichen geführt. In guter Erinnerung ist noch HH. Professor Kar! Bernasconi, der mathematische und naturwissenschaftliche Studien an der Universität Zürich gemacht hatte. Er wurde Mitbegründer des Elektrizitätswerkes Erstfeld. Er starb 1946 als Pfarr-Resignar von Affoltern, Zürich. Heute zählen unsere Schulen 650 Schulkinder, wovon ca. 150 Knaben und Mädchen in die Sekun- darschule gehen. Vür hundert Jahren genügten zwei Lehrkräfte. Heute sind es acht Lehrschwe- stern, drei Primarlehrer, drei Fräulein Lehrerinnen und fünf Sekundarlehrer. Die Entwicklung ist eine sehr große und neue Probleme tauchen auf. Es ist ein Kommen und Gehen.

 

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Die eine Generation löst die andere ab und jede trägt beim Abschied viel heim, einen durch die Schule und Erziehung geformten Geist. Aber nicht auf die Größe der Bauten kommt es an, sondern auf den Geist, der lebendig macht. Es gelten die Worte, die Papst Pius XI. schrieb: «Es ist notwendig, daß der ganze Unterricht und Aufbau der Schule von christlichem Geiste beherrscht wird, so daß die Religion die Grundlage und Krönung des ganzen Erziehungswerkes darstellt.» (Rundschreiben vom 31. Dezember 1929.)

 

Thomas Herger, Pfarrer, Pfarrblatt 13.März 1960