Warum an Gott glauben?

Letzte Woche haben wir in unserer Reihe über das Glaubensbekenntnis gehört, dass es grundsätzlich zwei Arten des Glaubens gibt. 1) Jenen, der meint, annimmt, bzw. vermutet, und 2) jenen, der ganz sicher ist, weil der, der glaubt, sich auf jemanden abstützt, dem er ganz und gar vertrauen kann. Das passt zur ursprünglichen Bedeutung von Glauben für lieb halten, gutheissen.

Schön und gut, denken wir vielleicht. Aber wem darf ich denn da ganz und gar vertrauen? Letzte Woche am Schwingfest auf Ämmeten lauschte ich einem Gespräch zwischen einem Vater und seinem Sohn, der auch mitschwang. Weil Bub klein war, hatte er Angst vor einem grösseren Gegner aus dem Tessin. Der Vater sprach ihm zu und sagte: Du kannst das schon, weisst Du, wir sind den Tessinern technisch überlegen. Natürlich vertraute der Sohn dem Vater, und dennoch verlor er den Gang. Wird der Sohn dem Vater das nächste Mal nochmals glauben? Vermutlich schon, aber vielleicht nicht mehr ganz so fest. Es ist klar: Menschen, die immer wieder erleben, dass Versprechungen unerfüllt bleiben, verlieren mit der Zeit das Vertrauen in die Mitmenschen.

Aber was erzähle ich da. Es geht uns hier gar nicht um das Vertrauen zu den Menschen, sondern um das Vertrauen Gott gegenüber.

Aber das eine bedingt halt doch das andere. Wenn die Jugendlichen in die Oberstufe kamen, habe ich sie jeweils gefragt: „Was sind Eure Gründe, dass ihr an Gott glaubt?“ Die Antworten waren durchs Band: ich glaube, weil es mir die Eltern so beibrachten.

Wenn wir uns überlegen: Weshalb glauben wir?, dann wird das bei uns nicht viel anders sein. Wir glauben, weil wir Menschen begegnet sind, die uns den Glauben mehr oder weniger überzeugend vorgelebt haben. Meist waren das die Eltern oder andere Verwandte. Und weil viele in unserem Umfeld glaubten, kam es auch nicht zum Bruch, als wir uns von unseren Eltern ein Stückweit lösten.

Bei denen, die uns den Glauben beibrachten, wird es nicht anders gewesen sein. So sind wir Glied einer langen Kette von Gläubigen. Das ist auch einmal ein spannender Gedanke: Ich bin Glied einer langen Kette von Gläubigen. Freilich hat diese Kette auch einmal begonnen. Aber wie? Ist alles nur Phantasie? Alles nur Wunsch? Hat da jemand einfach ein paar schöne Dinge erfunden, um Menschen, die in der Not waren, Mut zu machen? Oder weit schlimmer: Hat jemand den Glauben erfunden, damit die Leute brav bleiben und nicht aufbegehren?

Wenn dem so wäre, dann könnten wir hier die Übung abbrechen. Gehen wir deshalb die Kette von Gläubigen durch. Am Anfang der Kette von Christen und Christinnen stehen keine Träumer und Visionäre, sondern „Mannen mit Schnauz“: die Apostel. Als Jesus Christus von den Toten auferstanden war und Er ihnen erschien, waren sie nicht einfach bereit zu glauben. Sie trauten ihren Augen zunächst nicht. Denken wir besonders an den Apostel Thomas. Darum liess sich Christus berühren und er ass sogar mit den Aposteln. Auch die Wunder, die sie im Namen des Auferstanden tätigten, bestätigten ihren Glauben. Wir dürfen und sollen diesen Aposteln vertrauen, denn schliesslich haben sie bis auf Johannes alle ihren Glauben mit dem Märtyrertod bezeugt.

Dieser Glaube wurde über all die Jahrhunderte immer wieder durch Wunder bestätigt. Denken wir an Lourdes. Und wenn ich von Wundern rede, dann meine ich die von der Kirche anerkannt. Die Kirche nimmt es hier sehr genau. Bis ein Wunder als solches anerkannt wird braucht es eine genaue Untersuchung, an der auch atheistische und andersgläubige Wissenschaftler beteiligt sind.

Nebstdem dass Gott sich selber zeigt und offenbart, gibt es noch eine zweite Möglichkeit, von der Existenz Gottes überzeugt zu werden: Ich betrachte die Natur. Die Betrachtung der herrlichen und manchmal auch bedrohlichen Natur führt unweigerlich zur Frage: Wo liegt der Ursprung all dieser Ordnung, all dieser Schönheiten? Die Antwort ist für uns einfach: Gott.

So logisch dieser Gedankengang uns erscheint. So umstritten ist diese Überlegung. Viele meinen, die wissenschaftliche Erforschung der Natur müsse dazu führen, den Glauben an Gott über Bord zu werfen. Den naiven Kinderglauben wahrscheinlich schon, aber dass es auch anders geht, zeigt ein Ausspruch des zeitgenössischen österreichischen Physikers Walter Thirring: Er sagte: „Die unerhörte Präzision der Vorgänge beim Urknall soll durch Zufall entstanden sein!? Was für eine absurde Idee!“

Selbstverständlich müsste das alles vertieft werden. Wir werden das auch versuchen, wenn es heisst: Ich glaube an Gott den Schöpfer. Ebenfalls müsste vertieft werden: wie kann man an Gott glauben, wenn es so viel Leid gibt auf dieser Welt. Das hat dann Platz, wenn wir über das Kreuz nachdenken.

Für heute soll genügen: Zwar glauben wir, weil wir den Glauben an Gott von anderen Menschen empfangen haben. Aber am Anfang der Weitergabe des Glaubens steht die Offenbarung Gottes oder dann halt die staunende Betrachtung der Natur.

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