Nachdem Jesus wirklich in seinem Leib von den Toten auferstanden war, erschien er den Jüngern noch verschiedene Male, um ihnen das eine oder andere noch ans Herz zu legen und sie im Vertrauen zu bestärken. Dann eines Tages war es das letzte Mal und Jesus zeigte sich nicht mehr. Dazu sagt das Glaubensbekenntnis: Aufgefahren in den Himmel. Dieser Satz, den wir ja immer an Christi Himmelfahrt feiern, hat verschiedene Konsequenzen. Eine davon beschreibt ein Gebet aus dem 14. Jahrhundert:

 

Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, um seine Arbeit heute zu tun.

Er hat keine Füße, nur unsere Füße, um Menschen auf seinen Weg zu führen.

Christus hat keine Lippen, nur unsere Lippen, um Menschen von ihm zu erzählen.

Er hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe, um Menschen an seine Seite zu bringen.

 

Das heisst Jesus ist zwar mit seinem Geist durchaus bei uns. Aber dem Leib nach ist er in jener Wirklichkeit, in jener Dimension, die wir als Himmel bezeichnen. Wir müssen nun seine Werke vollbringen. Darum hat Jesus vor seiner Himmelfahrt auch den Seinen gesagt: Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet allen Geschöpfen das Evangelium. Doch darüber werden wir am Missionssonntag in 14 Tagen uns Gedanken machen.

Allerdings: Jesus ist nicht nur geistig unter uns, nach dem schönen Wort: Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen. Jesus ist auch nicht einfach durch unser Handeln gegenwärtig. Er spricht zu uns im Evangelium und er ist uns nahe in den Sakramenten; auf unüberbietbare Weise in der Eucharistie. Hier ist er nicht nur geistig gegenwärtig, sondern ganz und gar. Und kein Katholik kann eigentlich sagen: Gott ist fern. Denn Jesus ist Gott Sohn.

Wirklich, Jesus lässt uns nicht als Weisen zurück.

Auch wenn er zur Rechten Gottes des Vaters sitzt. Das meint, dass Jesus den Ehrenplatz im Himmel hat. Eigentlich logisch - Jesus ist schliesslich Gottes eingeborener Sohn - und doch bemerkenswert. Vergessen wir nicht: als Mensch hatte Jesus nicht einmal ein eigenes Grab. Er starb für die damaligen Menschen den schändlichsten Tod, den man sterben konnte. Es war für einen Römer unwürdig so zu sterben und jetzt ist Er an bester Stelle. Das erinnert an die Seligpreisungen:


Selig sind die, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig sind die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
Selig sind die, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.
Selig sind die, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.
Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
Selig sind die, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.
Selig sind die, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
Selig sind die, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn so wurden schon vor euch die Propheten verfolgt.

 

Jesus wird allerdings nicht auf diesem Thron bleiben. Er wird kommen zu richten die Lebenden und die Toten. Das beinhaltet eigentlich zwei Dinge: Erstens: Diese Welt vergeht. Und zweitens: Richten wird einmal Jesus Christus und zwar alle Menschen.

Zum ersten: Diese Welt vergeht. Dazu ist eigentlich vor allem zu sagen: Über den Weltuntergang wurde schon viel spekuliert. Vor allem auch über das Datum. Wie oft wurde der Weltuntergang schon vorhergesagt, und genau so oft, hauten die selbsternannten Propheten mit ihrer Prognose voll daneben. Hätten sie doch die Bibel ganz gelesen! Dort sagt Jesus ganz klar: Niemand weiss die Stunde nur der Vater, nicht einmal der Sohn und die Engel. Es ist also völlig überflüssige Mühe, etwas mehr über das Datum des Weltenendes herausfinden zu wollen.

Und doch - dieser Satz regt uns an. Denn so wenig wir wissen, wann das Ende der Welt sein wird, so wenig wissen wir, wann unser persönliches Ende ist. Heute, morgen erst in einigen Jahren? Wir wissen nicht einmal wie. Vielleicht rafft uns eine Krankheit, ein Unfall, ein Unglück oder sonst was weg. Wenigstens wissen wir, wem wir in die Hände fallen: Jesus Christus. Und damit sind wir bei der zweiten Aussage unseres Satzes.

Über diese Begegnung schrieb Therese von Lisieux folgendes: „Ich weiss, dass man ganz rein sein muss, um vor dem Gott, der der Inbegriff der Heiligkeit ist, zu erscheinen. Aber ich weiss auch, dass der Herr unendlich gerecht ist. Diese Gerechtigkeit, die so viele abschreckt, ist der Grund meiner Freude und meines Vertrauens. Gerecht sein bedeutet nicht nur den Schuldigen gegenüber Strenge walten zu lassen, es bedeutet darüber hinaus, die aufrichtigen Absichten anerkennen und die Tugend belohnen.“ Und weiter: „Mein Weg ist ganz Vertrauen und Liebe. Ich verstehe die Menschen nicht, die vor einem so mitempfindenden Freund Angst haben.“

Jeder Satz im Glaubensbekenntnis ist eine Quelle der Freude. Unser Satz ist vor allem auch eine Quelle der Vor-Freude. Ja, freuen wir uns doch jetzt schon auf die Begegnung mit unserem besten Freund, wann immer es sein wird.

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