Fragt die Katechetin in der Religionsstunde die Kinder: „Kann mir jemand sagen, was Amen heisst?“ „Aber sicher!“ meint der kleine Bruno. „Das ist so eine Abkürzung. Eigentlich müsste es heissen: Am End. Wenn immer das kommt, dann wissen die Leute: Jetzt ist fertig.“

Ja, tatsächlich ist kaum etwas so sicher wie das Amen in der Kirche, sei es am Ende der Predigt, am Ende von Gebeten und auch am Schluss der Spendung der Sakramente. Und für uns jetzt am Ende des Glaubensbekenntnisses. Es ist natürlich keine Abkürzung, damit die Gebete um eine hundertstel Sekunde schneller fertig sind. Amen bedeutet ganz einfach: So sei es, so ist es, ja, dem stimme ich zu. Oder - wenn es am Anfang steht, wenn Jesus sagt: Amen, amen, das sage ich euch! – dann bedeutet es in Wahrheit.

Oft sagen wir das Amen in Gemeinschaft, manchmal aber auch allein. Dann ist es wichtig, dass wir es auch schon mal ein wenig deutlicher sagen. Etwa beim Kommunionempfang. Dieses Amen heisst dann: Ich glaube: Das ist der Leib Christi. Und wir haben ganz am Anfang unserer Überlegungen festgestellt: Glauben heisst in unserem Kontext nicht einfach meinen, sondern sicher sein.

Auch bei einem anderen Sakrament ist unser Amen gefragt. Nämlich bei der Taufe. Bei der Taufe werden sie fragen: „Da kann doch der Täufling meist noch gar kein Wort sagen, wie soll er da Amen sagen?“ Stimmt! Und genau darum heisst es bei der Taufe auch nicht: Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen. Sondern es heisst: Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Das Amen wird hier eigentlich nicht gesagt. Das Amen wird aber nicht einfach weggelassen. Das ganze weitere Leben soll ein grosses Amen sein. Alle Getauften sollen durch ihre Lebensführung ein andauerndes Amen zum Glauben an den dreifaltigen Gott sprechen:

Wir sagen Amen zu Gott Vater, wenn es uns gelingt ein Leben in Dankbarkeit für die Gabe des Lebens zu führen. Wir sagen Amen zum Sohn, wenn wir auf ihn hören. Wenn wir unser Leben durch die Worte des Evangeliums gestalten lassen. Und wir sagen Amen zum Hl. Geist, wenn wir uns ihm öffnen und aus der Freude an seinem Wirken denken, reden und handeln.

Dieses Amen zu sagen, glauben zu können, ist eine Gnade, ein Geschenk. Das bedeutet: Wir können nichts dafür, dass wir glauben. Aber wir können sehr wohl etwas dazu beitragen, damit der Glaube in uns bleibt. Doch was denn?

Glaube ist immer auch eine Antwort auf Gottes Handeln und Reden. Glaube ist dementsprechend Dialog. Wer regelmässig betet, tut schon viel für seinen Glauben. Er bleibt im Gespräch mit Gott. Genährt wird unser Gebet vor allem durch zwei Bücher: das Buch der Schöpfung und durch das Buch der Bücher: die hl. Schrift - und hier besonders das Neue Testament.

Trotzdem kann es passieren, dass der Glaube angefochten wird – durch Schicksalsschläge, durch eigenes Versagen, durch Artikel, die den Glauben und die Kirche schlecht oder lächerlich machen. Darum gilt: Das Ringen um den Glauben ist immer wieder mal nötig.

Weil die Herausforderungen vielfältig sind, gibt es auch kein Patentrezept. Aber hier einige Vorschläge: 1) Um den Glauben beten. Wir tun das ja auch in einer Bitte im Rosenkranz: Vermehre uns den Glauben!

2) Glaubenszweifel ausräumen durch vernünftige Lektüre, durch ein Gespräch mit einem wirklich gläubigen Menschen. Dabei sind zwei Dinge zu beachten. Es gibt einen Haufen Bücher, die zwar spannend, aber für den Glauben nicht besonders hergeben. In der Regel ist das kein Problem, aber wer Zweifel hat, sollte schon mal etwas Aufbauendes lesen, vielleicht auch ein Buch, das sich mit gängigen Clichés gegen den Glauben auseinandersetzt und Klärung schenkt (zu empfehlen ist für alle geschichtlich interessierten: Die Dunkelmänner: Mythen, Lügen und Legenden um die Kirchengeschichte von Michael Hesemann). Beim Gespräch mit einem wirklich gläubigen Menschen sollte ich mir jemanden aussuchen, zu dem ich das Vertrauen habe und der mich wirklich versteht. 3) Schuld bekennen. Manchmal kommen Menschen mit dem Glauben nicht mehr zurecht, weil sie versagt haben und vergessen, dass Gott barmherzig ist und gerne vergibt. Sie verhalten sich dann wie der Knecht, der das eine Talent vergräbt, weil er vor dem Meister Angst hatte. Die Angst vor Gott blockiert sie, und weil das kein angenehmer Zustand ist, distanzieren sie sich immer mehr von Gott. Darum möchte ich schliessen mit den schönen Gedanken der hl. Theres von Lisieux:

„Ich weiss, dass man ganz rein sein muss, um vor dem Gott, der der Inbegriff der Heiligkeit ist, zu erscheinen. Aber ich weiss auch, dass der Herr unendlich gerecht ist. Diese Gerechtigkeit, die so viele abschreckt, ist der Grund meiner Freude und meines Vertrauens. Gerecht sein bedeutet nicht nur den Schuldigen gegenüber Strenge walten zu lassen, es bedeutet darüber hinaus, die aufrichtigen Absichten anerkennen und die Tugend belohnen.“ Und weiter: „Mein Weg ist ganz Vertrauen und Liebe. Ich verstehe die Menschen nicht, die vor einem so mitempfindenden Freund Angst haben"

Nun wünsche ich allen viel Freude an unserem Glauben an Gott Vater, Gott Sohn und an Gott den Hl. Geist, der uns so sehr liebt, dass es sein grösster Wunsch, dass wir nicht nur einmal bei ihm, sondern jetzt schon mit ihm leben.

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