Jesus Christus: Wahrer Gott und wahrer Mensch

Im Glaubensbekenntnis heisst es: Ich glaube an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria. Weil Jesus Sohn der Jungfrau Maria ist, ist er einerseits wahrer Mensch. Weil er der Sohn des Vaters ist und empfangen wurde durch den Hl. Geist, ist er auch der Herr. Schon im griechischen Alten Testament wurde aus Ehrfurcht anstelle des Gottesnamens Jahwe Kyrios (=Herr) verwendet. Das heisst nichts anderes als: Jesus ist wahrer Gott. Das erklärt, warum Maria Jungfrau blieb. Ihr Kind hat sie nicht von einem Mann, sondern durch das Wirken des Hl. Geistes.

An dieser Stellen müssen wir noch erklären, was es auf sich hat mit dem Begriff: eingeborener Sohn des Vaters. Dieses eingeboren hat nichts zu tun mit einheimisch oder Ureinwohner. Es ist eine eher unglückliche Übersetzung vom lateinischen unigenitus und meint: einziggeboren. Jesus Christus ist also der einzige Sohn des Vaters. Damit ist auch schon mal gesagt: Auch wenn wir Kinder Gottes heissen und es auch sind: Wir sind es in einem anderen Sinn als Jesus. Er ist seit Ewigkeit der Sohn und als solcher auch gesandt. Wir hingegen sind seit der Taufe Kinder Gottes.

Damit das alles nicht einfach graue Theorie bleibt, schauen wir uns einige Texte aus den Evangelien an und überprüfen sie auf das gesagte hin. Nehmen wir das Evangelium von der Samaritanerin am Jakobsbrunnen. Als wahrer Mensch hat Jesus schlicht und einfach Durst. Er bittet die Frau, ihm Wasser zu geben. Im Gespräch zeigt er aber, dass er es ist, der ihr das wahre, das lebendige Wasser schenken kann, obwohl er doch kein Schöpfgefäss hat. Er spricht eben vom Hl. Geist. Um seine Autorität noch zu untermauern sagt er ihr ins Gesicht, dass sie nicht mit ihrem richtigen Mann zusammenlebt.

Oder die Begegnung mit der Witwe von Naim. Sie begleitet ihren toten Sohn zur Stadt hinaus. Als wahrer Mensch wird Jesus von tiefem Mitleid erfüllt. Als wahrer Gott erweist er sich als Herr über Leben und Tod und ruft diesen jungen Mann wieder ins Leben zurück.

Aber Prophezeien, Kranke heilen, böse Geister austreiben, Tote Auferwecken und sonstige Wunder wirken, das wird auch den grossen Propheten nachgesagt. Doch etwas machte Jesus, was nur Gott kann. Er verzeiht, er vergibt nicht nur die Schuld. Er tilgt die Schuld. Etwa beim Gelähmten, der von seinen vier Freunden durch das offene Dach runtergelassen wurde. Auch der Ehebrecherin sagt er: deine Sünden sind dir vergeben.

Als wahrer Gott hat Jesus die Vollmacht, Menschen wieder in den Bereich des Heils reinzunehmen. Das ist uns Menschen grundsätzlich nicht möglich. Wenn ein Priester den Beichtenden von seiner Sünde losspricht, dann tut er es nie aus sich, sondern in der Person Christi selber.

In einer Welt, die oft dem Göttlichen mit viel Skepsis begegnet, wird die Gottheit Jesus Christus mehr als auch schon in Frage gestellt. Vielleicht sind wir dadurch als Gläubige versucht, das Menschliche in Jesus zu vernachlässigen. Dabei zeigt uns die Lektüre des Evangeliums, wie das typisch Menschliche in Jesus immer wieder durchschimmert. Denken wir etwa daran, wie oft Jesus sein Mitgefühl zeigt, wie er um seinen verstorbenen Freund Lazarus weint, aber auch dass er an einer Hochzeitsfeier teilnimmt, vor Müdigkeit einschläft und Angst vor dem Sterben hat.

Das heisst für uns: das Menschliche dürfen wir gerade aufgrund unseres Glaubens nicht vernachlässigen: die Freude an den Gaben der Schöpfung, das Feiern von frohen Ereignissen, das Mitleid mit den vom Schicksal gebeutelten oder das Trauern um Verstorben und selbst die Arbeit. Das alles gehört zu unserer typisch christlichen Spiritualität.

Mit anderen Worten: Wer meint zur Spiritualität gehöre bloss Gebet, das Mitfeiern des Gottesdienstes oder Meditation ist christlich gesehen auf dem Holzweg. Natürlich genügt es nicht, sich einfach menschlich zu zeigen, allzu schnell würden wir ermatten. Das Gebet ist und bleibt auch für uns Mitte eines spirituellen Lebens. Aber das Gebet, das keine Früchte zeigt, ist in der Regel kein gutes Gebet.

Heilige haben dies immer wieder vorgelebt. Etwa die selige Maria Theresia Scherer. Über sie sagte der selige Papst Johannes Paul II.: Je reicher ihr inneres Leben wurde, desto aufmerksamer wurde sie für die weltlichen Nöte ihrer Zeit.

Ja, wir wollen nicht nur bekennen, dass Jesus Christus wahrer Mensch und wahrer Gott ist, wir wollen auch danach leben: Mit beiden Füssen auf dem Boden. Mit dem Kopf im Himmel.

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