Ich glaube

Fangen wir doch einfach an mit den ersten zwei Wörtern des Glaubensbekenntnisses.

Ich glaube. Es heisst hier ich: ich bin also gefordert. Ich kann mich nicht hinter anderen verstecken, auch wenn wir das Glaubensbekenntnis meist miteinander beten. Aber jetzt zum Glauben.

Glauben ist nicht einfach glauben. Ein kleines Beispiel mag hier weiterhelfen: Wenn ein Fallschirmspringer einen Angestellten am Flugplatz fragt: „Ist mein Fallschirm gepackt?“ und dieser zur Antwort gibt: „Ich glaube schon!“ dann wird der Fallschirmspringer wohl noch einmal selber nachschauen und den Fallschirm unter Umständen sogar nochmals auspacken und selber zusammenlegen. Wenn ihm aber sein bester Freund auf die gleiche Frage zur Antwort gibt: „Jawohl, ich habe ihn gleich selber gepackt! Du kannst mir glauben.“ dann wird er nicht nochmals nachschauen. Er glaubt seinem Freund, er ist sich der Sache sicher.

Die erste Art zu glauben bedeutet: meinen, mehr oder weniger annehmen, aber nicht sicher sein. Die zweite Art aber meint: es ist ganz sicher so, auch wenn ich es dir jetzt nicht beweisen kann. Im zweiten Fall kommt auch das Vertrauen jemandem gegenüber ins Spiel. Der Glaube, um es uns in der Kirche gehen soll, ist natürlich der zweite.

Weil der Glaube, so wie wir ihn verstehen, Sicherheit gibt, bekommt der Täufling jeweils nach der Taufe eine brennende Taufkerze überreicht. Der Glaube hingegen, der bloss oder meint, gibt keine Sicherheit, sondern wirft höchstens irritierende Schatten.

Das Beispiel vom Fallschirmspringer zeigt: Der sichere Glaube wächst aus dem Vertrauen jemandem gegenüber. Das deckt sich mit dem alten deutschen Wort: gelouben, oder noch älter. gilouben, was so viel bedeutet wie „für lieb halten“, bzw. „gutheissen“. Auch das lateinische Wort credere geht in die gleiche Richtung. Es kommt von Cor dare, das Herz schenken.

Wenn wir also im Glaubensbekenntnis bekennen: ich glaube, dann bedeutet das nicht nur, ich bin mir sicher, dass das, was ich da sage, stimmt, sondern auch, ich habe meine Sicherheit, weil ich jemandem vertrauen, weil ich jemandem mein Herz schenken darf.

Wer unser Vertrauen verdient, darüber das nächste Mal.

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