Im Glaubensbekenntnis heisst es: Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Das heisst, wir glauben, dass der der eigentliche Name Gottes Vater lautet. Einerseits, weil Gott Vater des ewigen Wortes, des Sohnes, ist. Aber auch weil Gott uns geschaffen hat und für uns sorgt wie ein guter Vater. Dass das Probleme aufwirft, darauf haben wir letzte Woche schon hingewiesen. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an ein älteres Ehepaar, dem ich vor einiger Zeit in Grenoble begegnet bin. Die Frau war damals schon fast dreissig Jahre bettlägerig. Der Mann pflegte sie – soweit ich sehen konnte - mit grosser Aufopferung. Er sagte: hört auf, Gott den Allmächtigen zu nennen. Denn wie kann Gott allmächtig sein, wenn er so nicht mit so viel Leid aufräumt. Entweder ist Gott unser guter Vater und nicht allmächtig, oder er ist allmächtig aber nicht unser guter Vater. Liebe Gläubige. Diese Überlegungen sind bedenkenswert. Sie werden von vielen geteilt. Und wenn wir Menschen den Glauben wieder näher bringen wollen, wenn wir den Menschen Gott wieder als den über alles Liebenswerten schildern möchten, dann müssen wir hier eine gute, überzeugende und vor allem überzeugte Antwort bringen. Eine Antwort, die wir nicht aus den Büchern holen, sondern aus dem Leben. Wir werden uns aber darüber unterhalten, wenn wir den Satz betrachten, der für uns am Kreuz gestorben ist.

Nun wollen wir uns anschauen, was wir bezüglich der Schöpfung glauben. Es heisst. Schöpfer des Himmels und der Erde. Damit ist gemeint: Gott hat nicht nur eine sichtbare, sondern auch eine unsichtbare Welt geschaffen, wo die Engel ihren Platz haben. Engel sind nicht niedliche Putten, sondern mächtig. Aber sie sind Geschöpfe, deren Aufgabe es ist Gott anzubeten und zu dienen.

Zur sichtbaren Welt: Über deren Erschaffung lesen wir auf den ersten paar Seiten in der Bibel. Die meisten wissen, dass dort etwas von Adam und Eva steht oder auch von den sieben Tagen. Was wieder weniger wissen: In der Bibel stehen zwei sich eher widersprechende Schöpfungsberichte. Beim einen wird der Mensch vor den Tieren geschaffen, beim anderen steht die Erschaffung des Menschen am Schluss. Das muss uns aber nicht erstaunen. Die Erzählungen über die Erschaffung der Welt sind keine naturwissenschaftlichen Berichte. Auf ihre Art und Weise berichten sie, was für uns gläubige Menschen wichtig ist. Wenn man sie einmal genau liest, stellt man fest: Darin ist festgehalten:

1) Gott alles geschaffen hat.

2) Die Schöpfung ist gut, ja sogar sehr gut.

3) Der Mensch ist Abbild Gottes und zwar als Mann und als Frau

4) Durch das Verhalten des Menschen ist in diese Schöpfung auch das Übel gelangt.

Das will sagen: unser Glaube sagt nichts darüber, wie Gott geschaffen hat. Es ist für uns kein Problem, wenn die Naturwissenschaft sagt, dass unsere sichtbare Welt ihren Beginn im Urknall vor etwa 14 Milliarden Jahren hat. Problematisch wird es für uns erst, wenn ein Wissenschaftler seine Kompetenzen überschreitet und nicht über den Beginn, sondern auch über den Sinn der Welt spekuliert. Wenn also ein Wissenschaftler behauptet: „Alles ist zufällig.“ dann nimmt er das einfach an, aber wissen tut er es nicht.

Denn die Wissenschaft lässt auch das Gegenteil für möglich erscheinen. Und das behauptet unser Glaube:

Wir sind nicht zufällig hier. Wir sind nicht Produkte des Zufalls. Sondern wir sind gewollte und damit geliebte Geschöpfe Gottes und zwar als Mann, als auch als Frau, denn Mann wie Frau sind Abbild Gottes.

Ein Schüler fragte mich einmal: ja, aber warum muss das die Bibel so altertümlich schildern. Warum kann sie das nicht verständlicher sagen. Das Problem liegt darin, dass die Bibel in einer Zeit geschrieben wurde, in der die Menschen unsere naturwissenschaftlichen Überlegungen zum einen nicht verstanden hätten und deshalb auch nicht akzeptiert hätten. Zum anderen muss man auch betonen: damals waren andere Fragen von grosser Bedeutung. Wir müssen uns vorstellen: das Volk Israel lebte inmitten von Völkern, die anstelle Gottes Geschöpfe anbeteten. Sie brachten Tieren, der Sonne, dem Mond und den Sternen Opfer dar. Sie glaubten, dass sich hinter vielen mächtigen Naturerscheinungen noch viele mächtigere Gottheiten verbargen. Oft trieb Angst die Menschen um.

Das ging auch so weit, dass einige annahmen: die sichtbare Welt ist überhaupt nicht gut, sondern Produkt von Dämonen, und deshalb böse sei. Eine Lehre, die in einem allgemeinen Pessimismus über die Zukunft der Welt bis in unsere Tage ihre Anhänger findet.

Es war auch eine Zeit, in der Menschen, das heisst Helden, Könige und Königinnen als Gottheiten verehrt wurden. Da zu sagen: wir entstammen alle aus der Hand Gottes, war eine gewaltige und mutige Aussage, die übrigens heute noch Gültigkeit hat. Der ganze Starkult wäre diesbezüglich einmal zu hinterfragen.

Das Wissen darum, dass Gott die Welt geschaffen hat, schenkt mir zum Freiheit gegenüber allen Götzen, die den Platz Gottes einnehmen möchten. Es bedeutet aber auch Verantwortung. Uns ist die Schöpfung anvertraut, damit wir sie bebauen und hüten.

Und zum Schluss noch dies:

Der Pfarrer schwärmt in der Predigt von der Schönheit der Welt. „Seht euch doch um“, schwärmt er, „jede Blume predigt von Gottes Allmacht. Jedes Gräschen ist eine Predigt.“

Am Montagvormittag mäht der Pfarrer vor dem Pfarrhaus den Rasen. Peter, der bei der Predigt gut aufgepasst hat, schaut ein wenig zu und ruft dann fröhlich: „Herr Pfarrer, kürzen Sie jetzt ihre Predigt?“

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