Anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums des Konzils sind wir daran, das Glaubensbekenntnis Satz für Satz durchzunehmen. Heute an Allerheiligen ist es logisch, dass wir den Satz betrachten: ich glaube die Gemeinschaft der Heiligen. Zuerst wird man vielleicht ein wenig mit den Lippen zucken. Was bedeutet das eigentlich: Gemeinschaft der Heiligen? Was bekennen wir da letztendlich? Bekennen wir hier einfach, dass es Heilige gibt? Bekennen wir, dass diese eine Gemeinschaft bilden? Letzteres scheint mir zumindest nicht unbedingt erwähnenswert. Es ist doch logisch, ein Mensch der von der Liebe erfüllt ist, kann weder ein Eigenbrötler, noch ein unverträglicher Kauz sein, schon gar nicht ein Menschenhasser. Zum Heiligen gehört auch die Gemeinschaftsfähigkeit. Selbst die grossen Einsiedler hatten trotz, bzw. aufgrund ihres Hangs zur Einsamkeit immer wieder ein offenes Ohr für die Sorgen ihrer Mitmenschen. Denken wir an Bruder Klaus, zu dessen Klause Tausende von Ratsuchenden strömten und der sie freundlich empfing.

Nein, es geht hier nicht in erster Linie zu unterstreichen, dass die Heiligen eine Gemeinschaft bilden. Im Glaubensbekenntnis kommt der Ausdruck gerade nach dem Bekenntnis zur hl. katholischen Kirche. Heisst das also, dass die Kirche von der Gemeinschaft der Heiligen gebildet wird? Auch diese Antwort befriedigt letztendlich nicht. Denn wer hätte dann noch Platz in der Kirche? Nein, ursprünglich war mit dem Ausdruck „Gemeinschaft der Heiligen“ gemeint, dass die Kirche eine Gemeinschaft bildet, weil sie Anteil an den heiligen Dingen hat. Ohne diese heiligen Dinge wäre die Kirche ein loser Verband, der sich bald in nichts auflösen würde. Gemeint mit diesen heiligen Dingen waren insbesondere die Sakramente, das Wort Gottes und auch das Eingehen auf die Not der Mitmenschen. Dieses gemeinsame Festhalten an den heiligen Dingen liess die Kirche werden und sichert zugleich den Bestand der Kirche.

Die Verbindung untereinander ist also laut Glaubensbekenntnis nicht von Menschen gemacht, sondern von dem Heiligen an sich, von Gott.

Wenn jetzt allerdings jemand sich ganz und gar mit dem Heiligen verbindet, dann wird er selber heilig. Das dürfen wir ruhig unterstreichen. Denn manchmal haben wir ja folgende Vorstellung: Ein Heiliger ist jemand, der besonders gut war. Ein Art Held, wie wir ihn aus dem Film oder auch aus der griechischen Mythologie kennen. Denken wir an Herkules, der im Kampf gegen das Böse selbst gegen den Höllenhund Cerberus den Sieg davontrug. Die Ähnlichkeit mit unseren Heiligen ist freilich zunächst verblüffend. Denken wir an das Werk einer Mutter Teresa von Kalkutta oder den Mut vieler Märtyrer. Und doch gibt es da einen entscheidenden Unterschied: Unsere Heiligen sind nicht aus sich gut, sie nehmen auch keinen Zaubertrank. Sie sind, was sie sind, weil sie sich ganz fest mit dem Heiligen verbunden haben. Sie empfingen die Sakramente, betrachteten die Hl. Schrift und erblickten in den Mitmenschen in Not Christus.

Kurz die Heiligen sind heilig, weil sie sich vom Hl. Geist berühren und bewegen liessen. Und das dann halt konsequent. Wenn uns das einmal klar ist, dann ist es auch logisch, dass wir, wenn wir die Heiligen verehren und zu ihnen beten, sie sicher nicht anbeten – das darf man nur Gott – , sondern Gottes Wirken in ihnen preisen. Und es wird dann auch klar, dass Heilige nicht einfach Menschen sind, die es einfach früher gab, sondern die es auch heute gibt. Denn auch heute wirkt der Hl. Geist und wartet, dass Menschen sich von ihm berühren und bewegen lassen.

Darum möchte ich hier auch ganz kurz auf einen Menschen hinweisen, dessen Seligsprechung voraussichtlich am 25. Mai im kommenden Jahr in Palermo gefeiert wird. Es handelt sich um Padre Pino Puglisi.

Don Pino wurde 1937 in Brancaccio, einem Quartier im Osten von Palermo in Sizilien geboren. Bereits mit 23 Jahren er Priester. In seiner Tätigkeit hatte er immer einen besonderen Blick für die Jugend. Gerade in Sizilien mit seiner hohen Jugendarbeitslosigkeit war und ist das wichtig. Denn die Perspektivelosigkeit so vieler Jugendlicher wird von der Mafia schamlos ausgenutzt. Sie führt viele Jugendliche in den Dunstkreis des organisierten Verbrechens. Anfangs der Neunzigerjahre wurde Don Pino Pfarrer wieder in Brancaccio. Hier gründete er eine Jugendgruppe und baute ein Gemeindezentrum auf. Don Pinos Aufmerksamkeit galt besonders der Resozialisierung jener Halbwüchsigen, die bereits mit den kriminellen Machenschaften der Mafia in Berührung gekommen waren. Er bemühte sich daher im Quartier, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich Werte wie Legalität und Vertrauen wieder behaupten konnten.

Das brachte ihm die klare Gegnerschaft der Mafia. Don Pino liess sich allerdings nicht einschüchtern. Unermüdlich bekämpfte er den Drogenhandel und nannte bei seinen Predigten in der Kirche von Brancaccio die Sachen beim Namen. Im Mai 1993 besuchte Papst Johannes Paul II. Sizilien. In einer spontanen Predigt in der Provinz Agrigent verurteilte er die Mafia und ihre Verbrechen. Am Abend des 15. Septembers – seines 56. Geburtstags – wurde Padre Puglisi vor seiner Haustüre von zwei Mafiosi erschossen. Einer der Mörder, der später verhaftet wurde, sagte beim Prozess aus, dass Padre Puglisi sie vor seinem Tod angelächelt und gesagt habe: „Damit hatte ich gerechnet“.

Nicht umsonst stehen auf seinem  Grab die Worte geschrieben: “Niemand hat eine grössere Liebe, als wer sein Leben hingibt für seine Freunde. (Joh 15,13).

Wahrhaftig: der Hl. Geist wirkt auch noch heute. Lassen wir ihn in unser Leben hinein, denn die Welt heute braucht Heilige.

Mehr zu Padre Puglisi finden Sie unter folgendem Link:

 www.padrepinopuglisi.diocesipa.it/index.php?option=com_content&view=article&id=143&Itemid=204

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