Wir feiern heute bekanntlich das Fest Weihe dieser Kirche. Das heisst wir erinnern uns an die feierliche Weihe dieses Gotteshauses vom 2. Februar 1958 und natürlich auch ein wenig an die erste Weihe, die am 6. Oktober 1872 stattgefunden hat. Natürlich ist es etwas Grosses, ein Gotteshaus zu haben. In ihm dürfen wir Gott begegnen. Allerdings feiern wir nicht nur die Besitznahme dieses Hauses durch Gott, sondern vor allem auch die Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen. Denn ohne diese Gemeinschaft stände unsere Pfarrkirche gar nicht.

Aber eben, wenn wir die Kirche als Gemeinschaft feiern wollen, dann kommt nicht einfach blosse Festfreude auf. Viele haben zu dieser Gemeinschaft ein zwiespältiges Verhältnis. So wie das Konzil vor bald fünf Jahrzenten die Kirche definiert hat, nämlich als Licht der Völker (Lumen gentium) so empfinden das viele heute nicht mehr. Viele würden die Kirche eher als rauchende Petrollampe definieren. Man rechnet damit, dass mehr als drei Viertel aller Schweizer Christen mit ihrer Kirche, wenn nicht auf Kriegsfuss, so doch wenigstens auf „sicheren“ Abstand gegangen sind.

Woher kommt das? Erwarten Sie jetzt nicht, dass ich hier eine genaue Analyse anstelle. Denn auch hier gilt: so viele Köpfe so viele Meinungen.

Vielmehr will ich einige Gedanken des griechisch-orthodoxen Patriarchen von Antiochien Ignatius IV. widergeben. Diese Gedanken, die er vor 44 Jahren formuliert hat, geben nicht einfach eine Antwort auf unsere Frage. Aber sie sind doch eine Lichtquelle um dieses komplexe Problem, warum die Kirche von vielen nicht mehr als etwas Positives wahrgenommen wird.

Diese Gedanken werde ich aber zunächst unvollständig und als Rätsel widergeben: Es gilt herauszufinden wer oder was mit x gemeint ist.

Kirche ohne x ...

... ist Gott fern,

bleibt Christus in der Vergangenheit,

ist das Evangelium toter Buchstabe,

ist die Kirche eine blosse Organisation,

ist Autorität nur Herrschaft,

ist Mission nur Propaganda,

ist Liturgie nicht mehr als Geisterbeschwörung,

ist christliches Leben eine Sklavenmoral.

 

Wer ist also dieses x? Ohne wen oder was ist die Kirche eine blosse Organisation, bleibt Christus in der Vergangenheit? Lösen wir das Rätsel auf! X steht für den, der für viele Gläubige leider immer noch der grosse Unbekannte ist:

Der Hl. Geist. Wir bekennen zwar im Glaubensbekenntnis: Ich glaube an den Hl. Geist. In jedem Gottesdienst wird der Hl. Geist x-mal angerufen und bekannt. Aber Hand aufs Herz! De facto spielt er im Leben von uns doch eine untergeordnete Rolle. Im Grunde genommen könnten wir genauso gut im Glaubensbekenntnis beten: ich glaube den Hl. Geist und das an weglassen. Denn das Glauben an heisst: Ich glaube nicht nur, dass es den Hl. Geist gibt, sondern auch, dass ich mich ganz und gar auf ihn stütze, wie wir das auch beim Vater und bei Jesus Christus tun.

Patriarch Ignatius IV von Antiochien hat seine Überlegungen auch positiv formuliert: So lauten sie dann:

 

Kirche mit dem Heiligen Geist ...

... ist der auferstandene Christus da,

ist das Evangelium die Kraft des Lebens,

zeigt die Kirche das Leben der Dreifaltigkeit,

ist Autorität ein befreiender Dienst,

ist Mission ein Pfingstereignis,

ist die Liturgie Begegnung mit der Liebe Gottes,

ist menschliches Tun geheiligt.

  

Das tönt nicht nur schön. Es ist es auch, wenn wir vermehrt auf den Hl. Geist zu vertrauen, mehr aus ihm zu leben und zu darum beten, dass die Kirche aufs Neue mehr auf den Hl. Geist baut. Ich betone hier das mehr. Denn ganz ohne Hl. Geist ist ja die Kirche nie. Ohne Hl. Geist gäbe es die Kirche schon lange nicht mehr.

Schliesslich beten wir ständig im Glaubensbekenntnis: Ich glaube die heilige Kirche. Die Kirche ist nicht heilig wegen mir oder wegen Ihnen. Die Kirche ist heilig, weil in ihr der Hl. Geist wirkt.

Und darum können und sollen wir auch heute dieses Fest feiern. Denn die Kirche ist nicht einfach eine von Menschen errichtete Organisation, sondern die Gemeinschaft der Gläubigen, die Gott Vater wollte, die der Sohn errichtete und die der Hl. Geist belebt.

Twitter-account von Papst Franziskus