Heute beschäftigen wir uns mit dem spannendsten Thema, das es überhaupt gibt. Für Spätzünder. Es fängt mit S an, hört aber nicht mit x auf. Also alle haben es gemerkt: Wir reden heute über die Sünde. Ein spannenderes Thema gibt es nun wirklich nicht. Denn was wäre noch da an Literatur, Presse und Film. Wie fad wäre das alles. Es gäbe kaum Krimis. Klatschheftchen und Boulevardzeitungen wären mindestens um die Hälfte dünner.

Aber eigentlich meine ich das ja gar nicht so. Natürlich sind diverse Sünden spannend, vor allem wenn sie einem nicht weh tun. Wirklich spannend wird es dann, wenn wir fragen: Was ist denn eine Sünde und - gibt es überhaupt Sünden? Das ist für uns noch relativ wichtig, weil wir doch Sonntag für Sonntag beten: Ich glaube die Vergebung der Sünden. Wenn es keine Sünden gibt, dann gibt es auch keine Vergebung. Und vom barmherzigen bleibt auch nur noch ein flüchtiger Schatten.

Also, was ist eigentlich eine Sünde? Kurz: Etwas Schlechtes, für das eine Person verantwortlich ist, und deshalb mehr oder weniger von der Quelle der Liebe, das heisst von Gott wegbewegt und schlussendlich trennt.

Verantwortlich ist jemand freilich nur dann, wenn er (oder eben sie) fähig ist, gut und schlecht zu unterscheiden und zusätzlich eine gewisse Freiheit besitzt, eine Tat zu vollbringen oder sie zu unterlassen.

Hier genau fängt das Problem an. Die menschliche Freiheit ist nicht absolut. Zahlreiche Einschränkungen umgeben uns. Wir sind durch Erziehung, einschneidende Erlebnisse, die Gefühlswelt und unseren Instinkt konditioniert. Darum wird gerne nicht von Schuld und Sünde, sondern lieber von Fehler, Versagen, Versehen, vielleicht noch Dummheit gesprochen. Das müssen wir ernst nehmen. Nicht jedes Missgeschick, ja nicht einmal jedes Unglück, das von Menschen verursacht wurde, hat mit Sünde zu tun.

Dazu ein Beispiel, das vor vielen Jahren passiert ist: Ein Jäger ist auf der Lauer, da hört er ein Geheul und feuert einen Schuss ab - und tötet damit einen Jugendlichen, der das Geheul eines Fuchses nachahmte.

Der Jäger wollte zwar töten, aber nicht einen Menschen. Seine Sinne und vielleicht auch seine gespannten Nerven, haben ihm hier einen üblen Streich gespielt. Man wird sicher Bedauern haben mit diesem Jäger, gleichzeitig kann man sich überlegen: War er vorsichtig genug?.

Solche Unglücke können zu spannenden Diskussionen führen. Aber unsere Frage ist schon die: Ist der Mensch grundsätzlich frei und deswegen auch für sein Tun verantwortlich? Wir sagen Ja - mit Einschränkungen. Wenn nämlich der Mensch nicht frei wäre, dann bräuchten wir keine Gerichte und keine psychologischen Abklärungen. Die Gesellschaft müsste ganz anders auf Auffälligkeiten reagieren, wenn unser Handeln bloss Folge unserer Triebe und den Impulsen unseres Umfeldes wäre. Das ist die eine Überlegung.

Die andere Überlegung ist: Wollen wir eigentlich als nicht zurechnungsfähig gelten? Nein, es ist schon besser, wenn wir uns als Menschen verstehen, die ihr Handeln selber verantworten und auch Verantwortung übernehmen können.

Nun hätten wir also geklärt, was eine Sünde ist, auch wenn wir sicher noch behandeln müssten, was gut und was schlecht ist. Darüber aber ein anderes Mal.

Kommen wir zur Vergebung. Wir bekennen vielleicht dann und wann gedankenlos, dass es Vergebung gibt. Aber nicht alle Menschen können an Vergebung glauben. So berichtete schon vor Jahren ein Pfarrer, dass er in der Ehevorbereitung ein Brautpaar halt auch auf die Beichte aufmerksam machen wollte. Der Bräutigam stieg problemlos darauf ein. Die Braut hingegen wirkte leicht verunsichert. Der Pfarrer wollte ihr helfen und sagte: Wissen sie, das ist das gleiche, wie als ihre Mama ihnen jeweils verziehen hat, wenn sie als Kind ein Dummheit begingen. Da begann die Braut zu weinen. Bräutigam und Pfarrer waren mehr als irritiert und fragten, was sie jetzt zu Tränen bringe. Nach einiger Zeit schluchzte sie „Meine Mama hat mir mein ganzes Leben nie verziehen!“

Liebe Gläubige. Ich weiss nicht, ob das ein Einzelfall ist. Tatsache aber ist, dass wir in unserer Gesellschaft genau das erleben. Kommt aus, dass jemand sich etwas zuschulden kommen liess, dann wird doch häufig auf demselben ohne Verständnis herumgehackt. Kein Wunder nehmen Menschen oft Zuflucht bei einer Lüge in der Hoffnung, dass das ganze Mediengewitter bald vorüberzieht. Die Gesellschaft – so scheint es – kennt keine Vergebung, sie kann nur vergessen.

Und was im Grossen geschieht, geschieht auch im Kleinen. Wie will da noch jemand an die Vergebung der Sünden glauben, wenn seine zwischenmenschlichen Erfahrungen so ganz anders sind.

Darum: Wenn wir bekennen: Vergebung der Sünden, dann fassen wir in diesem Moment unweigerlich die Aufgabe, aus der Vergebung heraus zu leben. Um den Geist der Versöhnung und des Friedens zu beten und Groll, Missmut und Bitterkeit über Bord zu werfen, und nicht nur auf die Vergebung Gottes zu vertrauen, sondern jedem und allen sogleich und immer wieder zu vergeben.

 

p.s. Zwei Kindersendungen zum Thema Versöhnung, die auch für Erwachsene sehenswert sind.

http://www.youtube.com/watch?v=5UDD23AS3kE  (Über den barmherzigen Vater)

 

http://www.kathtube.com/player.php?id=29075 (Über den unbarmherzigen Diener)

 

 

 

 

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