Letztes Mal haben wir uns Gedanken über das Leiden und das Kreuz von Jesus Christus gemacht. Wir haben dabei den Satz gehört: Gott lässt uns in unserem Leid nicht allein. Ja, der Vater hat uns seinen Sohn Jesus Christus gesandt, und dieser Sohn ist selber den Weg des Leidens gegangen. Jesus gehört somit nicht zu jenen, die uns nur sagen, wie man mit Leid umgeht. Nein, Jesus ist den Weg des Leidens selber gegangen. Er ist dem Leid nicht ausgewichen, sondern hat das Leid in Liebe angenommen und durch getragen. Jesus kann mit Recht von sich sagen: Ich bin der Weg und die Wahrheit.

Diese Überlegungen können uns in schwerem Leid trösten. Denn wir sind uns sicher: Wir sind selbst im grössten Leid wirklich nicht allein. Es tut gut, dann und wann auf ein Kruzifix zu schauen und vom Gekreuzigten zu vernehmen: „Ich weiss, was du empfindest. Ich empfinde mit dir, all deine körperlichen, aber auch deine seelischen Schmerzen.“

Aber Hand aufs Herz! Genügt das? Gott jedenfalls hat es nicht genügt. Der Retter sollte nicht nur alles Leid der Welt auf sich nehmen, all das Böse am eigenen Leib und in der eigenen Seele erfahren, er sollte auch wieder von den Toten auferstehen.

Wir sind also im Glaubensbekenntnis bereits beim Satz: Am dritten Tage auferstanden von den Toten.

Es heisst am dritten Tag, nicht nach drei Tagen. Darum feiern wir am Sonntag immer wieder ein kleines Ostern.

Jesus Christus: Am dritten Tage auferstanden von den Toten.

Was so tönt wie eine Schlagzeile, hat auch heute absoluten Newswert. Nebst dieser Nachricht News verblassen im Grunde genommen alle News von heute und morgen, die übermorgen schon die meisten Leserinnen und Leser nicht mehr interessiert. Dass Jesus am dritten Tage von den Toten auferstanden ist, ist deshalb eine immer neue Nachricht, weil wir aus der Erfahrung nichts Gleiches kennen. Zwar ist es schon so: Wenn wir die Umwandlung einer Raupe in einen Schmetterling betrachten, dann ahnen wir, dass da mehr möglich ist, als wir es für gewöhnlich wahrnehmen. Auch die Geburt eines Kindes oder das Erwachen der Natur nach einem langen harten Winter sind Erlebnisse, die uns den Blick für das Mögliche gewaltig weiten. Doch so schön diese Erlebnisse auch sind: sie sind doch Ereignisse, die zum Schema gehören: Werden und Vergehen. Doch was bei der Auferstehung Jesu Christ passiert ist, ist eine Verwandlung für immer. Der Tod hat wirklich keinen Stachel mehr. Jesus lebt und stirbt nicht mehr.

Die Auferstehung Jesu hat immer wieder den Glauben der Menschen herausgefordert. Wir erinnern uns daran, dass die Apostel anfänglich keineswegs bereit waren, in das Osterhalleluja einzustimmen. Obwohl sie wussten, dass das Grab leer war, dachten sie zuerst nicht an eine Auferstehung. Als die Frauen nach der Begegnung mit den Engeln am leeren Grab die Botschaft von der Auferstehung überbrachten, blieben die Zweifel der Apostel hartnäckig bestehen. Erst als Jesus ihnen erschien, mit ihnen sprach, mit ihnen ass und sich sogar berühren liess, verschwanden ihre Zweifel.

Die Zweifel der Apostel sind verschwunden, doch die Zweifel vieler sind geblieben. Sie werden interessanterweise immer wieder mal genährt. Alle paar Jahre wieder taucht ein Bericht auf, in dem behauptet wird, irgendwo in der Umgebung von Jerusalem haben Archäologen das Grab von Jesus, Maria und Josef gefunden. Soweit ich orientiert bin, gibt es unterdessen bereits fünf solcher Fundstellen. Das mag uns vielleicht zuerst einmal erstaunen und unseren Glauben erschüttern. Aber wenden wir ein wenig Logik an: Vier von diesen Stätten enthalten nicht die Gebeine der hl. Familie. Der logische Schluss heisst nicht: Eine Stätte muss also echt sein, sondern der logische Schluss heisst. Es ist sehr wahrscheinlich, dass auch die fünfte Stätte nicht die Überreste unserer Jesus, Maria und Josef enthalten. Dass gerade diese drei Namen auf einem Sarkophag stehen, muss nicht erstaunen. Schliesslich zählten diese drei Namen damals zu den geläufigsten im Hl. Land (vgl. die Namen der Frauen, die unter dem Kreuz standen).

Logik ist immer gut. Wenden wir sie weiter an!

Annahme Nr. 1: Das Grab war leer. Eine Theorie besagt: Logisch war das Grab leer. Die Apostel haben den Leichnam entwendet und an anderer Stelle bestattet und somit diese Story inszeniert. Die Erscheinungsgeschichten gehören in die Kategorie Fiktion - Doch wie hätten die Apostel den Leichnam an den Wachen vorbeischmuggeln können? Haben sie sie etwa bestochen? Und wäre es so, sollten die Apostel eine Story erfinden, die ihnen menschlich gesehen nur Ärger einbringen musste? Weiters: können zwölf Männer bis zum grausamen Tod dieselbe Lüge hochhalten?

Annahme Nr. 2: Das Grab war gar nicht leer. Jesus sei den Aposteln nach einer geistigen Auferstehung erschienen. Der Auferstehungsleib und der getötete Leib wären also nicht identisch. Auch das hält der Logik stand: Eine rein geistige Auferstehung wäre für Juden überhaupt keine Auferstehung gewesen und somit auch nicht für die Apostel. Für eine Geistergeschichte wären sie wohl kaum in den Tod gegangen.

Mit frohem Herzen können wir also ins Osterhalleluja einstimmen und mit gutem Grund dürfen wir allen Menschen zurufen:

Jesus ist von den Toten auferstanden, er ist wahrhaftig von den Toten auferstanden. Das Grab ist leer. Der Tod hat keinen Stachel mehr.

Twitter-account von Papst Franziskus