Die Ölberggruppe im Sakralraum des Betagten- und  Pflegeheims «Spannort»

 

Aus den Nachforschungen von Robert Furrer-Spahni

 

Die Darstellungen des betenden Christus und der schla­fenden Jünger im nächtlichen Ölberggarten zu Gethsema­ne, «Ölberg» genannt, sind schon in der altchristlichen Kunst bekannt. Sie versahen im Mittelalter die gleiche Funktion wie heute die Kreuzwegstationen.

 

Bereits 1584 sind sie mit dem Anbau eines Ölbergs an die 2.Vorgängerkapelle in der Jagdmatt erwähnt. Nach dem Abbruch der Vorgängerkapelle im Jahre 1637 fanden die vier fast neuen Holzbilder des Ölbergs in der 1635 erbauten Schutzengel­kapelle, auch Beinhaus genannt, einen würdigen Platz. 1871 wurden Pfarrkirche und Beinhaus abgebrochen. Viele sakrale Gegenstände wurden vorübergehend in verschiedenen Lokalen untergebracht.

 

 

Im Jahre 1880 beschloss der Kirchenrat Erstfeld: «Von den Holzbildern aus der Schutz­engelkapelle, der sogenannten Beinhauskapelle, werden den Patres Kapuziner in Altdorf, um ihren Wünschen zu entsprechen, vier Bilder verehrendweise verabfolgt. Wenn aber später dieselben für verwendbar wollten gemacht werden, so dürfen diese zurückgefordert werden» Sie wa­ren dann eine zeitlang in einem Eremitenhäuschen im Klostergarten des Kapuzinerklosters in Altdorf aufgestellt. Damit hat der dornenvolle Weg dieser Kostbarkeiten begonnen.

 

1977 erhielt Lokalhistoriker Robert Furrer von der Studienkommission für die Renovation der Jagdmattkapelle den Auftrag, nach den vermissten Figuren des Ölbergs zu forschen. Nach jahrelangen Bemühungen konnten sie im Kollegium Stans ausfindig gemacht werden. Heute zieren sie den Sakralraum unseres Altersheims, wo sie hoffentlich eine dauernde Bleibe erhalten haben. Spezialisten be­zeichnen sie als sehr wertvoll. Sie sind spätgotisch, Manie­rismus.

 

Das Herstellungsdatum deckt sich mit dem Bau­jahr des Ölbergs, also 1584. Sie sind erneuerungsbedürftig. Für die Restauration wird mit Kosten von 80000 Franken gerechnet. Am 10. Mai 1991 ist zwischen dem Katholischen Kirchenrat und der Betriebskommission des Betagten- und Pflege­ heimes «Spannort» ein Leihvertrag abgeschlossen worden.


Darin wird festgehalten, dass die Kirchgemeinde dem Be­tagten- und Pflegeheim die Ölberggruppe, bestehend aus vier Holzskulpturen aus dem 16. Jahrhundert, als Leihgabe überlässt. Sie sind für die Ausstattung des Gebets- und Andachtsraumes bestimmt. Nebst weitern Bedingungen wurde darin eine Vertragsdauervon 30jahren - bis 31. Dezember 2020 - vereinbart. Der Vertrag kann von beiden Parteien ein Jahr vor Ablauf gekündigt werden. Erfolgt kei­ne Kündigung, so gilt er jeweils für fünf Jahre verlängert.

 

Die kunstgerechte Restaurierung hat, auf Kosten des Heimes, durch einen ausgewiesenen Fachmann zu erfolgen. Die kostbare «Ölberggruppe» hat nun glücklicherweise einen endgültigen Standplatz erhalten. Sie eignet sich bestens zur Auschmückung des Sarkalraumes und wird all­ gemein positiv aufgenommen.