Herger

Wappen: Sanduhr unter goldenem Stern auf grünem Dreiberg auf blauem Grund. Das Geschlecht hat seinen Namen vom Heimet Hergerig im Schächental. Der Stammvater Walter erscheint 1290 unter den Stiftern der Pfarrei Spiringen. (Quelle: www.fluelen.ch)

Ehrendomherr Thomas Herger, Erstfeld, zum Abschied

 

Trauerrede von Dekan Isidor Truttmann am 29. November 1973 bei der Bestattungsfeier in Erstfeld Hochw. Herr Bischof! Liebe Mitbrüder! Liebe Trauergemeinde! Im Jahre 1970 hat der verstorbene Pfarrer Thomas Herger eine kleine Schrift über die Pfarrgeistlichkeit von Erstfeld herausgegeben. Am Schluss der Einleitung erinnerte er an das Wort im 1. Timotheusbrief (5,17): «Priester, die gut vorstehen, halte man doppelter Ehren wert».

 

Wir haben uns heute hier zusammengefunden, um einem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen, von dem wir mit gutem Gewissen und in verdienter Dankbarkeit bekennen dürfen: Er war ein Priester und Seelsorger, der seiner ihm anvertrauten Herde gut vorgestanden ist. Sein unerwarteter und rascher Tod hat alle, die ihn gekannt haben, tief getroffen. Ein bekanntes Sprichwort sagt zwar, dass ein plötzlicher Tod der meisten Priester Schicksal sei. Und es ist doch wohl so, dass der Priester hier auf Erden durch sein Beten, Opfern und seine ganze Berufsarbeit ja immer mit Gott in Verbindung steht und darum der Tod auch und vor allem für einen Priester nur Übergang und Heimgang zum Vater ist, um dort auszuruhen von allen irdischen Mühen und Arbeiten im Dienste des Reiches Gottes und zum Heil der Seelen.

 

Der verstorbene Domherr Thomas Herger begann sein irdisches Leben in Bürglen am 17. Februar 1901 als Sohn des Peter Herger († 1904) und der Emmerentia Imhof. Nach dem Besuch der Primarschule am Geburtsort und des Kollegiums Karl Borromäus in Altdorf begann er 1923 - wohl ohne Berufswahlschwierigkeiten - in Chur das Studium der Theologie. Am 4. Juli 1926 wurde er zum Priester geweiht und feierte am 18. Juli in der Heimatkirche Bürglen seine Primiz. Zwei Jahre, die er gerne als Lehrzeit bezeichnete, wirkte er als Vikar in Siebnen. Im Herbst 1929 riefen ihn der Wunsch des Bischofs und das Vertrauen der Bevölkerung zum Pfarrherrn nach Seedorf. 8 Jahre unbeschwerten und eifrigen Wirkens schenkte er dieser Gemeinde. Seine seelsorgerliche Tätigkeit, im A-Pro Dorf ist dort noch heute in der Bevölkerung in bester Erinnerung.

 

Seine Fähigkeit und sein Seeleneifer waren mitbestimmend dass ihm am 13. Juni 1937 das nicht leichte Pfarramt von Erstfeld übertragen wurde. Während vollen 35 Jahren - bis 1972 - war hier Thomas Herger der gute Hirt der ihm anvertrauten Herde. Nur ein gutes Jahr durfte er als Resignat am Orte seiner langjährigen Tätigkeit weiterwirken und mithelfen, bis er mitten aus der Arbeit am letzten Samstagnachmittag seinen letzten, ihm vom Herrn angewiesenen und bestimmten Posten antreten durfte. Wenn wir nach diesem kurzen Lebenslauf das ganze Lebenswerk des Verstorbenen überblicken wollen, so möchte ich dabei aus gehen - von den drei Sternen, die das Familienwappen der Herger als Kopfleiste zieren. Ich könnte sie z.B. deuten als die drei Orte der Wirksamkeit von Domherr Herger: Siebnen, Seedorf und Erstfeld. Ich will sie aber auslegen als Zeichen der drei hauptsächlichsten und hervorragendsten Tätig-keitsgebiete, auf denen sich der Verstorbene abgemüht, bewährt und ausgezeichnet hat.

 

Als ersten und leuchtendsten Stern möchte ich den seelsorglichen Einsatz von Pfarrer Herger erwähnen. Unser lieber Mitbruder war immer zuerst und ganz der Seelsorger. Seine ganze Tätigkeit, sein Arbeitseifer, seine Worte und Schriften standen immer voll und ganz in dem Auftrag, den er in der Priesterweihe übernommen hatte: Hirte, Priester und Seelsorger im Namen und Auftrag Christi zu sein. Seine Arbeit in den Pfarreivereinen, im Unterricht, am Krankenbett, auf der Kanzel, im Beichtstuhl, im Sprechzimmer und bei Hausbesuchen: alles war ihm nicht einfach Beruf, sondern immer Eifer und Sorge um die anvertrauten Seelen. Und in all dem war er immer der treue Diener nicht nur der Seelen, sondern auch der Kirche. Mit Eifer und regen Interesse verfolgte er die Entwicklungen und das Geschehen in der Kirche und in der Welt; er studierte eifrig die Verlautbarungen und die Dokumente des kirchlichen Lehramtes, wobei wir allerdings ehrlich erwähnen dürfen, dass ihm oft die Dekrete des Konzils von Trient - mehr zusagten und bedeuteten als etwa die Verlautbarungen und Anordnungen des letzten Konzils oder der Synode. Wenn man dem Verstorbenen in den letzten Jahren wohl gelegentlich den Vorwurf nicht ersparte, dass er nicht mit heller Begeisterung all dem Neuen in der Kirche der Gegenwart zustimmte und nicht immer alles mitmachte, was andere Seelsorger für richtig und zeitgemäß hielten, so war seine Haltung sicher nicht etwa eine Ablehnung alles Neuen, sondern eher seine Überlegung, dass auch die bisherigen Seelsorgeformen und -methoden sich in der Bewährung als erfolgreich und richtig erwiesen hatten. Es war also auch hier der Seelsorger, der oft ein von vielen unverstandenes Nein aussprach oder zögerte. Und es war die Treue gegenüber der Kirche; wie, er sie in seinen Studienkennen kennen gelernt hatte, es war das Herz des Seelsorgers, das seine Haltung bestimmte.

 

Aus dieser, seiner seelsorgerlichen Verantwortung ergab sich auch der zweite Stern, der über seinem Leben erstrahlte. Ich meine seine langjährige und verdienstvolle Tätigkeit im Eziehungswesen des Kantons Uri. Von 1930-48 war er Sekretär des Erziehungsrates; von 1934 – 52 amtete er als Schulinspektor, von 1952 bis 1964 als Präsident des Erziehungsrates von Uri, 16 Jahre versah er auch - das Präsidium des Verwaltungsrates des Kollegiums Karl Borromaus. So hat Thomas Herger während 35 Jahren seine Vollkraft der - Urner Schuljugend gewidmet. Er hat ein schönes und' wichtiges Stück Geschichte des Urner Schulwesens mitgestaltet und mitgetragen. Wie viele Briefe und Protokolle hat er doch geschrieben, wie viele Gänge gemacht zu Sitzungen und Schulbesuchen, wie viele Stunden der Jugend geopfert! Es war für die Schüler immer ein Ereignis, wenn Inspektor Herger würdevoll, mit leicht geneigtem Haupt, ein gütiges Lächeln im Antlitz, in die Schulstuben trat. Für Schüler und Lehrer war er der väterliche Freund und Berater und wirkte auf diese vor allem durch seine Persönlichkeit. Und auch hier war er wiederum ganz der Seelsorger. Ich erinnere mich aus meiner Schulzeit an kein einziges Examen mit Inspektor Herger, das 'nicht zuerst mit einer kurzen Religions- oder Bibelprüfung begonnen hätte. Seine Erfahrung und seine Kenntnisse im Erziehungswesen fanden Anerkennung auch über die Grenzen des Kantons Uri hinweg. Hier dürfen wir' wohl das eingangs erwähnte Bibelwort erweitern: Ein Priester, der gut vorsteht und so im Dienst der Jugend sich bewährt, ist doppelter Ehre wert.

 

Der dritte „Stern“ im Hergerwappen soll hin, weisen auf etwas, das den Verstorbenen in seinem Leben und Wirken stark prägte: Aus dem TeIlendorf Bürglen stammend, war Thomas Herger vor allem der geschichtlich interessierte Urner. Zahlreiche größere und kleinere historische Schriften und Abhandlungen sind unter seiner gewandten Feder entstanden. Es ist wohl ein Geheimnis seiner Geisteskraft und seiner Arbeitsweise, dass er in mühsamer Kleinarbeit neben der Seelsorge-und der Arbeit in der Öffentlichkeit Zeit fand für geschichtliche Forschungen, aus welchen eine Reihe von wertvollen Broschüren und Zeitungsartikeln entstanden. Sein letztes, wohl grösstes Werk ist die Vorbereitung einer eingehenden Lebensbeschreibung des von ihm hochverehrten Urners und Mitbürgers Weihbischof Dr. Antonius Gisler. Er wollte damit diesen hochverdienten Urner und Seelsorger in der Erinnerung der Gegenwart wieder aufleben lassen. Leider konnte Thomas Herger als Hauptintiant und Herausgeber das baldige Erscheinens des sich im Druck befindlichen Werkes nicht mehr erleben. Vielleicht hat gerade auch die Arbeit und Mühe um diese Schrift die Gesundheit des Verstorbenen allzu stark in Anspruch genommen. Durch seine vielfältigen Studien und seine Erfahrungen war. Thomas Herger auch befähigt, weitere Werke an die Hand zu nehmen die als Denkmale seiner Tätigkeit hier in Erstfeld sein Andenken wach halten werden. Ich erinnere an die Aussenrenovation der vom Verstorbenen so geliebten Jagdmattkapelle im Jahre 1947 und an die Neuanlage des Friedhofs im folgenden Jahr.

 

Ein besonderer Ehren- und Freudentag für Themas Herger war der 2. Februar 1958, wo die unter seiner Leitung umgebaute und stil- und kunstgerecht erneuerte Pfarrkirche eingeweiht wurde, in der er nun aufgebahrt ist und neben der er zur ewigen Ruhe gebettet wird. Hier will er nach seinem ausdrücklichen Wunsch inmitten seiner Erstfelder Pfarrfamilie der Auferstehung entgegen harren und dem Gebet der Gläubigen nahe sein. Diese Kirche wird das Andenken an den Verstorbenen lebendig erhalten. So zeigt uns auch- der dritte Stern wiederum den Seelsorger, der- doppelter Ehre wert ist.

'Die Anerkennung  all dieser von ,Thomas Herger für Kirche und Kanton selbstlos geleisteten Dienste bedeutete die wohlverdiente Verleihung der Würde eines Ehrendomherren, was ihn-sichtlich gefreut hat. Das Geheimnis seiner unermüdlichen Tätigkeit ~ seit 1942 war er als Prosynodalrichter auch Mitarbeiter am bischöflichen Ehegericht - es lag in seiner Liebe zur Kirche, in seiner Treue zum Priestertum, in Gebet. und Messopfer und, nicht: zuletzt in seiner Güte und Liebenswürdigkeit. Wenn der Volksmund die heutige Feier als Abdankung bezeichnet, so ist es wirklich der Dank an Gott, dass er uns einen so seeleneifrigen und pflichtbewussten Priester geschenkt hat; es ist der Dank an Domherr Herger für all sein Mühen und Wirken im Dienste der Seelsorge und der Kirche in den 47 Jahren seines Priestertums.

 

Hier darf ich auch ein Wort des Dankes einfügen an all seine Mitarbeiter in der" Pfarrei Erstfeld während seines Pfarramtes und an Frl. Marie Baumann, die während 33 Jahren um das leibliche Wohl des Verstorbenen dienend und aufmerksam besorgt war. Liebe Trauergemeinde! Unter den drei Sternen im Wappen der Herger steht das Stundenglas. Nach Gottes Willen fiel am letzten Samstag das letzte Tageskörnlein für Domherr Herger. An seinem Schreibtisch, an dem er tage- und oft auch nächtelang gearbeitet, ereilte .ihn der Tod. Er starb, wie er gelebt: als Arbeiter im' Weinberg des Herrn. Und darum wird Gott an ihm erfüllen, was er von seinen Mitbrüdern schrieb: Der Herr möge ihn mit doppelter Ehre und - so bitten wir heute - mit ewigem Frieden belohnen.

Twitter-account von Papst Franziskus