Das Haus zum Stäg in Erstfeld: zum Herunterladen
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Bild: Reusssteg in Erstfelden mit einem Teil des späteren Gasthauses "zum Sternen" (Archiv Hans Baumann- Fassbind)

Die Stegmatt in Erstfeld [1] 

 

Im Winkel zwischen Schlossberg- und Leonhardstrasse gelegen, präsentiert sich in Erstfeld östlich der Reuss eine der wenigen Massivbauten der Barockzeit, das „Haus zum Stäg“. Stilvoll und harmonisch wirkt das 1577 im Besitz von Heinrich Wyscher erwähnte Anwesen „Stegmatt“ mit dem 1740 von Kirchenvogt Antoni Leonzi Trösch[2] „nüw“ erbauten Haus, heute noch. Beschützt unter einem Krüppelwalmdach, beherbergte es einst ein bekanntes Gasthaus mit dem Namen „Sternen“, in dem jeweils vor und nach der Jagdmatt-Markusgemeinde Politik „gemacht“ wurde.

 

Die weitherum bekannte Gaststätte stand neben dem hölzernen Steg, der auf Pfeilern die Reuss überquerte und 1740 “nid sich“ an Melcher Dittlis Matten grenzte. Und, sie lag direkt neben alten Pilgerroute, die im Rynächt beim „Gsegneten Brunnen“ abzweigte und über den neun Fuss „Breiten Weg“, gesäumt mit Bildstöcklein, zur Jagdmattkapelle leitete.

 

Dazu bot der hölzerne Steg[3] Verbindung zum alten Dorf westlich der Reuss, zur bereits 1318 erwähnten Kirche St. Ambrosius. Zu den Wegen nach dem Surenenpass, ins Erstfeldertal, zu den Hofstätten im Wiler, nach den Siedlungen in Ripshausen. Am 14. Februar 1555 erhielten die Erstfelder Kirchgenossen das Recht, für den Unterhalt dieses Reusssteges bestimmte Waldungen in Bann zu legen mit der späteren Gerechtigkeit „die stägträmel“ durch das „gouth Stägmettelin zu fieren“[4]. Eine weitere Urkunde aus dem Jahr 1605 belegt, dass dafür in Intschi auf dem Gut „Rütti“ Eichen geschlagen werden durften. Ein späteres Verzeichnis nennt die Eichen „zu Bauwen und Sysygen so die Kilchgenossen von Erschfäld da hant“.

 

 

Ein schweres Hochwasser im Jahre 1640 zerstörte den Steg „bis auf das letzte Brett“, bedrohte die Pfarrkirche, sodass man einen Bittgang in die Jagdmattkapelle gelobte und im folgenden Jahr die Eichenen Pfeiler des Steges durch Steinerne ersetzte. Auf der Liegenschaft Stegmatt haftete auch eine „Bomatt“, eine Verpflichtung zur Sicherung der „Kapellenwehre“[5]. Mit zunehmendem Gotthardverkehr und der Verbreiterung der Gotthardstrasse verlor der „Breite Weg“ seine Bedeutung und das „Wirtshaus zum Sternen“ am alten Reuss-Steg seine Existenz.

 

 

Kauf und Lauf der Liegenschaft Stegmatt

 

Im Staatsarchiv sind folgende Handänderungen über das Stegmatthaus vermerkt:

1577: Heinrich Wyscher; 1721: Hans Marti Lusser; 1740: Anton Leonz Tresch; 1776: Anton Püntener; 1810: Thaddä Gerig; 1895: Anton Muther

 

1892 kaufte und bewohnte Kirchenvogt Anton Muther-Trachsel das Stegmatthaus, das in schlechtem Zustand war. Im Parterre befand sich eine Bäckerei mit Bäckerladen, im dritten Stock ein Saal, der eine wertvolle Kassettendecke aufwies.

 

Nach seinem Tod erbten seine Kinder die Liegenschaft Stegmatt. Gemäss Teilungsbrief vom 1903 waren es: Alois Muther- Büeler, Lokomotivheizer, Anna Wipfli-Muther, Gemeindeschreibers, und Katharina Wipfli- Muther, Landrats. Alois erhielt die Liegenschaft Stegmätteli mit Stallgebäude, Anna und Katharina das Wohnhaus mit Umgelände. Ungeteiltes Eigentum blieben die auf der Allmend stehenden Eigentumsbäume, der Eigengarten auf der Viehweide und die Bienenstöcke.

 

Die Stegmatthaus hat sich als Äusseres und als schöne Gartenanlage erhalten. Das Innere aber ist umgestaltet und unterteilt worden. Für den Bau des Steg-mattschulhauses, vom Büro Meili- Wipf, Luzern geplant und 1906- 1907 von der Firma Franz Murer und J. Gander, Beckenried erbaut, wurde, ¼ von der Liegenschaft „Stegmatt“ abgetrennt. Mit der Erweiterung der „Butzengasse“ anno 1910 (heutige Schlossbergstrasse) traten die damaligen Eigentümer, die Gebr. Wipfli, als Besitzer von Haus und Hausgarten beim Stegmätteli nochmals einen Landstreifen kaufweise an die Einwohnergemeinde ab.

 

Quellen:

Urner Namenbuch Bd. II, Erstfelder Buch 1977 u. 1991, Staatsarchiv Uri: Familienchronik von Stamme der Wipfli mit kleiner Ortsgeschichte von Erstfeld, Alt Landbuch Uri, Bd. II, Erstfeld- Tourismus: Dorfobjekte; Müller, Sagen aus Uri; Hans Baumann- Fassbind, Erstfeld (Bild)



[1] (Sepp Huber-Horat, Erstfeld im Aug. 2011)

[2] Kirchenvogt Anton Leonz Tresch erbaute um das Jahr 1749 im Namen der „Chilchgenossen von Örschfeld“ auch das als typischer Urner Blockbau konzipierte „Sigerstenhaus“ auf dem bestehenden , älteren Mauerteilen, fast ganz neu auf.

[3] Ein Glasscheibenhund hauste ebenfalls zu Erstfeld in dem grossen Hause bei der alten Reussbrücke, das früher die Wirtschaft zum Sternen war. Jede Nacht, nach andern aber nur z'alten Wochen, machte er seinen Rundgang längs der Reuss bis nach Amsteg und wieder zurück; still und ruhig ging er seines Weges. Mit einem einzigen Sprung erreichte er von der Reusswehre aus seine hoch gelegene Firstwohnung.

( Müller, Sagen aus Uri)

[4] Uk. Er. GA. 1761

[5] Klus- Linden- Kapellen- Gross- und Lussiwehre, sowie Leitschachwehre und Ripshausner –Schachenwehre

( Alt Landbuch Bd .II)

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