Das Sigristenhaus

Franz Eberli-Küng 

 

Das Sigristenhaus an der Kirchstrasse ist ein typischer Urner Blockbau und ist Bestandteil des ursprünglichen Dorfkernes von Erstfeld. Im Landratsprotokoll von 1558 wird das Sigristenhaus erstmals erwähnt, als «Vogt jauch und Vogt Trösch im Namen der Chilchgenossen von örschfeld sind erschienen und anzeigt, wie sie habent dem Sigersten ein Hus erbuwt und vil costens damit verhept. Da sie nun von minen Herren verpetend ein stür, erkennedt ist zu geben  nämlich 40 Cronen“   Aus den Urkundenkopien und historischen Notizen von Pfarrer Gedeon Furrer (Pfarrarchiv Erstfeld) kann entnommen werden, dass das «Sigerstenhaus» unter Kirchenvogt Anton Leonz Tresch im Jahre 1749 fast ganz neu  aufgebaut wurde.                                                                                                                                                                                                                                              

Das Labor für Dendrochronologie des Hochbauamtes der Stadt Zürich untersuchte zwecks Altersbestimmung Holzproben (Dachpfette, Bodenbalken) des Sigristenhauses und gelangte zum Schluss, dass das verwendete Holz im jahre 1745 geschlagen wurde. Dies erhärtet die Aufzeichnung von Pfarrer Gedeon Furrer, dass der heutige Bau auf das jahr 1749 zurückzuführen ist, muss man doch annehmen, dass das Holz bis zu seiner Verbauung noch gelagert wurde. Die Mauerteile und andere Teile des Hauses dürften aber mit Bestimmtheit ein höheres Alter (zirka 400 Jahre) aufweisen.

 

Das Äussere

 

Beim Sigristenhaus handelt es sich um einen wohIproportionierten Blockbau. Der Küchenteil besteht aus verputztem Bollsteinmauerwerk und ist gegen den ehemaligen Saumweg zum Gotthard gerichtet. Im ersten Stock werden die auf beiden Längsseiten angebauten Lauben vom Dach überdeckt, welches ursprünglich wohl mit Schindeln bedeckt war. Die Konsolen der Vorkragungen sind mit Rosskopfmotiven reich geschmückt. Besondere Beachtung verdienen die gekerbten Türpfosten des Hauseinganges und die Türe selber. In die obere Türblatthälfte ist ein Hirsch, in die untere eine Rosette eingekerbt.

 

Das Innere

 

Die Raumaufteilung im Innern des Hauses entspricht der traditionellen Art der damaligen bäuerlichen Bauweise. Besonders erwähnenswert sind die offene Feuerstelle in der Küche, bei der die Vertiefung für den Turner-Pfosten noch vorhanden ist, der Giltsteinofen mit der Jahreszahl 1849 und das eingebaute Stubenbuffet aus massivem Nussbaumholz.

 

Die Renovation

 

Es war schon längst unbestritten, dass das Sigristenhaus, das immer bewohnt war, einer gründlichen Sanierung bedurfte. 1975 wurde dieses wertvolle Gebäude gemäss kantonaler Naturschutzverordnung in das Verzeichnis der  schützenswerten Bauten aufgenommen. Die Bundesexperten massen dem Objekt sogar regionale Bedeutung zu.
Die Verantwortlichen für die Restaurierung des Sigristenhauses waren sich von Anfang bewusst, dass das Gebäude in seiner ursprünglichen Form erhalten, beziehungsweise wiederhergestellt werden musste.
  Am 28. Juni 1979 bewilligte die Kirchgemeindeversammlung den erforderlichen Kredit. Bereits am 28. Oktober 1980 konnte an einem Tag der offenen Türe das sich in neuer Pracht präsentierende Sigristenhaus einer interessierten Öffentlichkeit vorgestellt werden. Seither dient das Sigristenhaus gemäss seiner Zweckbestimmung dem Sigristen als gediegene, komfortable Wohnung. Der verantwortungsvolle Entscheid, dieses Gebäude in unverfälschter Form der Nachwelt zu erhalten, gereicht der Katholischen Kirchgemeinde zur besonderen Ehre.    

 

 

 

 

 

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